Die Noro Mebuki trägt mit der Bedeutung des Garnnamens den Frühling bereits im Herzen. Was es damit auf sich hat, liest du in dieser Garnrezension von Noromaniac. Und du erfährst, wie sich das neue Garn von Noro aus Japan anfühlt, aussieht und verarbeiten lässt. Springtime go!
Steckbrief Noro Mebuki
Materialzusammensetzung des Garns: 40% Seide, 30% Wolle und 30% Viskose
Verkaufseinheit: 150 g als Knäuel
Lauflänge: 450 Meter auf 150 Gramm (300 m auf 100 g)
Empfohlene Nadelstärke Häkelhaken: 4 mm (G)
Empfohlene Nadelstärke Stricknadel: 4 mm (US 6)
Maschenprobe Stricken 10 x 10 cm: 19 Maschen x 26 Reihen
Verkaufspreis pro Einheit: wohl so um 45 Euro pro Knäuel (das Garn ist noch nicht bei den Händlern angekommen und ich werde später den Preis aktualisieren)
Garnstärke: 4–Worsted Weight
Herkunftsland: Japan
Launch der Noro Mebuki: Frühjahr 2026
Die Bedeutung des Garnnamens
Mebuki auf Japanisch 芽吹 (so steht es auf dem Noro-Etikett) oder 芽吹き bedeutet Knospen, Keimlinge, Sprossen, Augen oder im übertragenen Sinn „Etwas, das im Entstehen begriffen ist“. Das ist doch eine schöne Vorstellung, denn wenn man sich Wolle oder in diesem Fall eine luxuriöse Mischung aus Seide, Wolle und Viskose zulegt, dann tut man das, um etwas daraus entstehen zu lassen. Etwas, an dem man selbst Freude hat oder andere damit beschenkt. Es entsteht im besten Fall sogar viel mehr … der Spaß beim Kreieren und Erschaffen und die Freude beim Schenken oder selbst Tragen.
Etwas entstehen lassen, das kann besonders gut der Frühling. Er sorgt dafür, dass es knospt, keimt und überall neues Leben hervorsprießt und damit wieder neue Hoffnung.
Mit dem Frühling verbinde ich ja eher ein frisches helles Grün oder ein Gelbgrün, also die Farbe, die man sieht, wenn die jungen Triebe hervorkommen, doch dieses Grün findet sich gar nicht im neuen „Knospen-Garn“. Noro scheint hier wirklich direkt nur auf die Blütenfarben zu setzen, die wir bei vielen Frühlingsblühern bewundern können. Denke nur einmal an die Krokusse, deren Blätter so klein und schmal sind, dass man fast nur die Blüte wahrnimmt. Oder nehmen wir die Magnolien, da erscheinen zuerst die Blüten und dann das Grün. Und bei den spektakulären Kirschblüten, für die viele Menschen extra nach Japan fliegen, wer beachtet da schon die Blätter?
Ich habe einmal versucht, ein paar Assoziationen zusammenzustellen, die der Ausgangspunkt für das Konzipieren der Noro Mebuki in Japan gewesen sein könnten.

Frühlingserwachen
Mir scheint, dass ich gerade erst die schöne Noro Ohajiki und Noro Natsumeki in den Händen hielt, dabei sind seit dem Launch dieser beiden Produkte, die zu meinen Lieblings-FS-Garnen von Noro zählen, schon ein beziehungsweise zwei Jahre vergangen. Und ehrlich, ich dachte das nach diesen Schätzchen keine Steigerung mehr möglich ist. Doch Takuo Noro hat es mal wieder geschafft, etwas zauberhaft Neues zu kreieren.

Doch gehen wir die Fakten nacheinander durch …
Arts-and-Crafts-Garn oder die Qualität der Noro Mebuki
Der Verzicht auf Polyester macht mich richtig glücklich. Wir haben es bei der Noro Mebuki mit einer luxuriösen Mischung aus Seide, Wolle und Viskose zu tun – in einem nahezu ausgewogenen Verhältnis, wobei die Seide leicht überwiegt.
Die Noro Mebuki ist recht unregelmäßig. Abgesehen davon, dass dies bei Noro öfter vorkommt, unterstreicht es hier das Naming perfekt. Die dickeren Stellen und einzelnen Farbsprenkel poppen leicht heraus, wie die Knospen, die sich im Frühjahr, wie in einem Wettbewerb nach der Sonne recken und versuchen als erste Aufzuploppen und ihren Nektar den ersten mutigen Bienen und anderen Bestäubern darzubieten.

Dieses Merkmal kommt besonders gut heraus, wenn du die Noro Mebuki strickst. Es ergibt sich ein herrlich dynamisch-lebendiges Strickbild – unverkennbar Noro, wild und elegant zugleich, da ein sanfter Glanz auf der Fasermischung liegt. Die fluffigeren Maschen und die in einer anderen Farbe eingesprenkelten wirken so, also ob sie eben aufbrechen wollen, wie die Knospen im Frühling.

Die Noro Mebuki hat eine wundervolle Haptik: trocken und schön weich, so ähnlich wie die Noro Kakigori. Dabei hat die Noro Mebuki aber mehr Stand, so ähnlich wie die Noro Natsumeki, und wirkt nicht so „wattig“ wie die Kakigori.
Gestrickt habe ich mit den ultraspitzen Lykke Flight aus Edelstahl. Das Strickvergnügen konnte nicht größer sein. Ich wollte es erst nicht glauben, doch gerade bei so etwas „stumpferem“ Garn geht das Stricken viel schneller von der Hand mit diesen Stahlnadeln. Lese mehr darüber in meinen News von Februar …

Die Farben der Noro Mebuki
Zum Launch des neuen Frühjahr-Sommer-Garns von Noro kommen sechs Farben heraus, die es jedoch erst ab Ende April oder Mai 2026 wirklich im Handel geben wird. Die Auswahl beschränkt sich auf wenige Farbtöne. Es dominieren Braun-, Rosa-, Lila- und Blautöne, doch schauen wir uns die Rapporte im Einzelnen mal an:
#01 Hanami

… bedeutet wörtlich „Blüten betrachten“ und ist die japanische Tradition, im Frühjahr (meist Ende März bis Anfang Mai) die Kirschblüte (Sakura) bei Picknicks im Park zu feiern. Es ist ein geselliges Fest, das die Vergänglichkeit der Schönheit, den Beginn des Frühlings und das Leben selbst zelebriert. Doch vorher gibt es auch schon die Pflaumenblüte zu betrachten … und das kommt doch gut bei diesem Farbrapport hin, wie das folgende Foto zeigt. Findest du nicht auch?

#02 Arashi

… bedeutet auf Japanisch Sturm, Gewitter oder Unwetter. Das Wort „Arashi“ symbolisiert aber auch Kraft, Energie und Intensität. Bei den Farben kann man sich gut vorstellen, wie der Himmel zuzieht, es kräftig stürmt und es etwas ungemütlich wird. Doch ein Pulli aus diesen Farben wird sicher wunderschön … für alle, die Blau lieben.
#05 Mankai

… ist ein japanischer Begriff, der die „volle Blüte“ beschreibt. Er bezieht sich primär auf den Höhepunkt der Kirschblütenzeit (Sakura) und wird oft im Kontext von „Hanami“ (Blütenbetrachtung) verwendet, doch hier denke ich eher an die Krokusse in voller Blüte als typische Vertreter der Springtime in Wald und Flur oder im Garten.
#06 Sakura

… ist das japanische Wort für den Kirschblütenbaum bzw. für die Kirschblüten. Sie sind eines der wichtigsten Symbole der japanischen Kultur und stehen für Schönheit, Aufbruch und Vergänglichkeit. Unverkennbar auch bei uns und der Farbrapport spiegelt Sakura so richtig gut wieder. Dazu das folgende Foto zum Vergleich …

#07 Shunshoku

… ist ein japanischer Überbegriff für „Frühlingsfarbe“ und wird verwendet, um allgemein die Farbe oder das Erscheinungsbild des Frühlings zu bezeichnen. Also das Zarte, Liebliche, auch im Sinn von verführerisch oder amorös … eben eine romantische Atmosphäre. Und sehr lieblich ist dieser Farbrapport in der Tat. Und hier noch einmal im Knäuel …

#08 Harukaze

… bedeutet übersetzt „Frühlingswind“ (Haru=Frühling, Kaze=Wind) und stellt wohl die erste warme Brise dar, die den natürlichen Prozess des Keimens anregt. Daher finden sich hier noch die Farben des Holzes und der Wurzeln, in denen die Säfte zu schießen beginnen.
Die Noro Mebuki bietet also jede Menge Anspielungen auf die Natur im Lenz. Doch schauen wir, ob das, was in den Farbrapporten klar zum Ausdruck kommt, sich auch in den ersten Modellen widerspiegelt …
Strickmodelle aus dem Noro Magazine 29
Um die Modelle aus dem Garn Noro Mebuki aus dem Noro Magazine 29 nachzustricken, brauchst du dir fast nur ein Muster merken. Als hätten sich die Designerinnen abgestimmt, nutzen die meisten Modelle genau das gleiche Pattern einer Lochmusterreihe. Du findest es zum Beispiel oben am Top „Novice“ von Annabelle Speer (links im Bild), für das du zwei bis drei Knäuel der Noro Mebuki brauchst, und noch präsenter im Dreieckstuch „Intervall“ von Melissa Leapman (rechts), dass du aus zwei der 150-g-Knäuel nachstricken kannst. Beide Teile werden so in der Farbe #05 Mankai im Heft gezeigt …

Es gibt dann noch ein Tuch im Miniformat, ebenso mit diesem Muster, nur dass hier die Lochmusterreihen etwas dichter liegen. Für dieses Tuch (links) mit dem Namen „Down the Garden Path“ von Lori Steinberg brauchst du nur einen big Ball der Noro Mebuki, hier in Farbe #07 Shunshoku. Aus der gleichen Farbe siehst du rechts daneben das Top namens „Mini-Break“ von Sandi Prosser mit einfachen Rechts-Linksmustern und Bündchen mit verschränkten Maschen. Das Top ist jeweils in der Mitte geteilt, damit die Farbstreifen nicht zu Ringeln werden. Nachstricken kannst du es mit 300 bis 450 Gramm des Garns – je nach Größe.

Designs aus Japan
Die Entwürfe vom Noro Design Team aus Japan sind locker geschnitten im typischen Japan-Style und zeigen auch je ein Modell aus den gleichen zwei Farbrapporten. Oben ein Pulli aus zwei bis drei Knäuel der Farbe #5 und darunter ein Oberteil aus zwei Knäuel der Farbe #7. Bei diesen Fotos wirken die Farben viel satter. Mag das wohl an dem Fotoequipment made in Japan liegen? 😉 Oder doch an der Fotobearbeitung und weniger an Unterschieden in der Produktionscharge?
Ich meine, realistisch ist eher etwas heller, so wie in dem Foto mit dem Minischal oben und in den Bildern von meinen Knäueln, einmal oben bei der Farbe #07 und einmal weiter unten im Foto mit der Fuji-Postkarte.


Wenn du dich nun fragst, wieso du die anderen Rapporte der Noro Mebuki nicht in einem gehäkelten oder gestrickten Modell findest, dann liegt es daran, dass die Musterknäule nur in diesen beiden Farben ausgeliefert wurden und noch nicht in der vollen Vielfalt zur Verfügung standen.
Häkeldesign mit Noro Mebuki von Noromaniac
Auch meine Musterknäuel sind aus der Farbe #07 Shunshoku. Und so gern ich sie weiter auf meinen supercoolen Lykke Fligth balancieren wollte und die herrliche Optik und den smoothen Fall des Gestricks genießen wollte, konnte ich es nicht mit diesen Farben, die so pur dann doch zu kindlich wirkten für mich persönlich, obwohl sie wunderwunderschön sind.

Nach einigem Hin- und Herüberlegen habe ich mich dann dazu entschlossen, meine Noro Mebuki #7 zu häkeln – zusammen mit einer neutralen Farbe der Noro Sonata, um die extrem liebliche Wirkung etwas abzuschwächen. Häkeln funktioniert auch super mit der Noro Mebuki, aber die volle Pracht des Garns kommt – wie ich finde – besser beim Stricken heraus. Vielleicht besorge ich mir auch noch einmal eine andere Farbe nach dem Launch für ein hübsches Frühlingsjäckchen oder Pulli.

Mein fertiges Teil wirst du bald unter den Projekten sehen können und auch, wie es dem Namen des Garns alle Ehre macht … Bleib also gespannt und genieße bis dahin die Frühlingsblumen!

Fotoquellen:
Fotos der Farbrapporte der Noro Mebuki und Modelle aus dem Noro Magazine 29 von Knittingfever / Soho und der Eisaku Noro & Co. Ltd.
Nahaufnahme einer Blüte mit Lichtreflexen: Dorias Forsthuber aus Unsplash. Collage oben mit Fotos aus Unsplash (von links oben im Uhrzeigersinn nach links unten): Flora Orosz, Derel Lee, Manish Mishra, Wolfgang Hasselmann, Tomolo Uji, Lori Dejong und Picsar. Plum Blossoms bei Farbe #01 von Phoenix727 aus Pixabay, Cherry Blossoms bei Farbe #06 von Heungsoon aus Pixabay und Blütenzeichnung unten von Anny Cecilia Walter aus Unsplash.
Teaserfoto und alle restlichen Fotos sowie Text © Katrin Walter – Noromaniac
Solltest du Fragen haben, kontaktiere mich gern. Und wenn ich dir hiermit wertvolle Infos für deinen Garneinkauf und das Handarbeiten geben konnte, würde ich mich sehr über ein Tässchen Blütentee oder einen kleinen Blumenstrauß freuen. Danke schön im Voraus und liebe Frühlingsgrüße
Zu den Projekten von Noromaniac …