In dieser Garnbeschreibung erfährst du, was sich Takuo Noro und sein Team bei der Entwicklung der Noro Koma und seiner Benennung gedacht haben. Und keine Angst, lass dich nicht vom Namen abschrecken … wir drehen zwar durch, aber anders als du denkst. Dieses Mal gibt es nämlich einen ganz besonderen Dreh bei den Farben im neuen Garn für Herbst/Winter 2025 aus Japan. Komm lies weiter und staune …

Steckbrief Noro Koma
Noro Koma Handstrickgarn Materialzusammensetzung: 45% Wolle, 35% Mohair, 20% Seide
Einheit: 150 g
Lauflänge: 405 m auf 150 g (das sind 270 m auf 100 g)
Empfohlene Nadelstärke laut Etikett: 4,0 – 4,5 mm (US 6 – 7)
Maschenprobe laut Etikett: ca. 18–20 Maschen x ca. 26–28 Reihen = 10 cm x 10 cm
Verkaufspreis pro Einheit: um die ?? Euro (kommt erst im Dezember raus, dann passe ich den Preis hier ein, der je nach Preispolitik des einzelnen Garnhändlers leicht variieren kann)
Garngewicht: DK
Herkunftsland: Japan
Launch des Garns: Saison Herbst/Winter 2025, konkret Dezember 2025
Von der Bedeutung des Garnnamens und bewusstseinsändernden Wirkungen
Koma ist ja ein tiefer Bewusstseinsverlust, bei dem Betroffene nicht mehr auf Reize reagieren. Bei der Noro Koma (oder überhaupt bei vielen Noro-Garn-Farben) ist es genau umgekehrt: Hier tritt ein tiefer Bewusstseinszustand ein – auch mal mit Realitätsverlust verbunden beim komahaften Scheffeln von hübschen bunten Wollknäueln –, bei dem Betroffene extrem auf Farbreize reagieren, auch genannt Noro-Love, Noro-Verrücktheit … oder Noro-Maniac. Beides ist praktisch nicht direkt behandel- oder heilbar. 😉

Also Koma!? Dass Namen in anderen Sprachen komisch klingen, wissen wir von diversen Marketing-Fails aufgrund von Produktnamen, die in einer anderen Sprache oder Kultur eine negative, anzügliche oder unerwünschte Bedeutung haben. Trigger-Warnung!!! Die folgenden beiden Beispiele enthalten sensibile Inhalte: Ein bekanntes Beispiel aus den 90er Jahren ist der Volkswagen Vento, der in manchen Ländern damit „Furz auf Rädern“ hieß oder das Offroader-Modell von Mitsubishi mit dem Namen Pajero, was auf Spanisch „Wichser“ bedeutet. Nicht schön.
Übrigens wusstest du, dass ich auch Marketing-Texte schreibe und aus dem Italienischen ins Deutsche übersetze, damit meinen Kunden so etwas nicht passiert?
Doch kommen wir zurück zum kunterbunten Faden und …
… was es nun mit der Noro Koma auf sich hat
Zum Glück ist es hier viel harmloser, denn das Wort Koma auf Japanisch [ こま ] verweist auf den Kreisel, also wieder etwas zum Spielen, wie schon beim Frühlingsgarn Noro Ohajiki. Bei direkten Schauen auf die Drehbewegungen des Kreisels oder beim leidenschaftlichen Spielen kann einem vielleicht schon leicht schwindlig werden, doch sonst ist es eher ein harmloses Geschicklichkeitsspiel …
Das Kreisel-spiel
Egal ob in Japan oder bei uns in Deutschland oder sonstwo auf der Welt dienen Kreisel als Spielzeug für Kinder (aber nicht nur), das auf einer festen Unterlage gedreht wird. Dabei wird die Achse senkrecht gehalten und meist hat die Person gewonnen, bei der der Kreisel am längsten in Bewegung bleibt. Kreisel sind eines der ältesten Spielzeuge überhaupt; sie sind schon in archäologischen Funden aufgetaucht. In alten Zeiten wurden sie außer als Spielzeug auch für Glücksspiele und für die Wahrsagung verwendet.

Das Farbenspiel in der Noro Koma
Und nun stell dir vor, so ein Kreisel tanzt vor deinen Augen, dann verschwimmen die Farben und es scheint, als ob die Streifen in der Luft schweben. Voilà, jetzt ist klar, wieso die Noro Koma „Noro Koma“ heißt … diese Streifen sehen doch wirklich genauso aus wie auf einem wirbelnden bunten Kreisel. Ich finde die Idee perfekt in diesem Garn umgesetzt.

Also bleiben wir gleich bei den bunten Streifen und werfen noch einen genaueren Blick darauf.
Die Farbrapporte im Einzelnen
Zum Launch im Dezember 2025 gibt es sechs Farbzusammenstellungen. Wobei in jedem Garn heller gefärbtes bzw. ungefärbtes Garn die einzelnen kräftigeren Farbstreifen voneinander trennt. Wobei die helleren Streifen manches Mal so wirken, als ob die Farbe daneben in sie „verwischt“ oder „verlaufen“ ist.
Sie wirken fast wie Streifen, die mit der Aquarellmaltechnik erzeugt wurden, mit eben diesen neutralen oder ganz leicht gefärbten Bereichen, die wie die typischen Transparenzen im Aquarell erscheinen, in denen der Malgrund noch durchschimmert … und jenen, auf die mehr Farbe aufgebracht wurde, wodurch die satteren und dunkleren Streifen entstehen.
Damit bietet die Noro Koma eine wirklich außergewöhnliche Optik, die hier durch die Zusammenstellung der Farben auch noch sechs wirklich komplett unterschiedliche und eigenständige Garne erzeugt.
#01 Amanogawa
Hier dreht sich alles um gedämpfte Farben. Schwarz, zwei dunkle Brauntöne, ein helles Graugrün, ein Waldgrün und ein staubiges Lavendel-Violett werden durch hellgraue Streifen unterbrochen.

#02 Tanzaku
Diverse Blautöne, von Royalblau, Indigo, Nachtblau bis zu einem Seegrün oder Ozeanblau, dazu ein knalliges Türkis, Gelb und Pink.

#03 Orizuru
Hier geht es sehr fröhlich zu mit zwei kräftigen Grüntönen und Blau, Gelb, Türkis und dazu erdige Nuancen wie Orange, Olivgrün und Kaffeebraun.

#05 Orihime
Wassermelonenrot, Veilchenblau, Fuchsia, Creme, Vanillegelb, Purpurrot, ein frühlingshaftes Grün, das fast zu Neongrün wird, dann noch ein pastelliges Magenta, bevor der Reigen wieder von vorne losgeht.

#08 Kamigoromo
Barbie lässt grüßen, Pink in diversen Nuancen gemixt mit Lila, Kirschrot, etwas warmen Schokobraun und geerdet mit Anthrazit.

#09 Hikobashi
Grün beherrscht hier die Szene in gleich vier Nuancen, wobei diese dann auch noch „acquarellig“ schillern, dazu Flieder und ein helles Gelb mit einem dunklen Akzent von Bordeauxrot.

Und hier die Farbe #09 noch einmal in ihrem 150-Gramm-Knäuel:

Die Qualität der Noro Koma
Die neue Noro Koma fühlt sich fast so an wie die Noro Tasogare in einer Lite-Version. Kein Wunder, denn sie bestehen aus exakt den gleichen „Zutaten“, nur in leicht abgewandelten Mengen, schau …
………………………. Noro Koma ……. Noro Tasogare
Wolle 45 % 60 %
Mohair 35 % 20 %
Seide 20 % 20 %
LL auf 100 g 270 m 250 m
Im der folgenden Abbildung der Noro Koma Farbe #08 als Knäuel kannst du gut sehen, wie recht gleichmäßig der Faden ist:

Und bei dem abgewickelten Faden von meiner Testfarbe #01 siehst du, dass Verdickungen hier nur sehr selten auftreten und wie der Faden von einem zarten Flor aus Mohair umgeben ist.

Erste Strickerfahrung mit der Noro Koma
Das Garn strickt sich wirklich schön flüssig. Aufgrund seiner Fluffigkeit habe ich es mit der größeren der angegeben Nadeln gestrickt, also mit 4,5er Stricknadeln.
Nach dem Waschen und leichten Spannen wird das gesamte Gestrick etwas flacher … es ist fast so als ob es sich entspannt hat – also weniger Koma und mehr Relax. Die einzelnen Maschen poppen nicht mehr heraus, sondern werden, wie die Haut nach einer Botox-Behandlung, glatt und smooth und das Gestrick wird zu einem schönen, weichen „Stoff“, der wunderbar fällt.
Ich habe das mal versucht, im Foto einzufangen. Doch da ich mein Strickteil aus der Noro Koma noch zusätzlich mit einem Glanzfaden gestrickt habe und mein Muster ohne, kannst du das wohl nicht ganz so gut sehen und musst meiner Beschreibung einfach glauben 😉

Gestrickte Modelle aus dem Noro Magazin 27
Damit du dir noch besser eine Vorstellung von der Wirkung des Garns machen kannst, zeige ich dir drei der Farbrapporte in gestrickten Modellen, die du im Noro Magazin 27 finden kannst.
Zuerst ein Pulli vom Noro Design Team aus Japan. Sie haben ihn einmal in der Farbe #08 Kamigoromo (oben) und einmal in der Farbe #09 Hikobashi (unten) gestrickt:


Für diesen Sweater werden je nach Größe, von S bis XL, drei bis vier Knäule der Noro Koma benötigt. Die Strickanleitung findest du im Noro Magazine 27.
Im Folgenden zeige ich dir noch weitere drei Designs mit der Noro Koma aus diesem gleichen Magazin: von links nach rechts siehst du
- den Cardigan „Flourish“ von Melissa Leapman in der Barbie-Farbe #08 Kamigoromo
- das Tuch „Flora“ von Gayle Bunn aus der Noro-Koma #09, ein traumhaftes Design für dieses Garn, dass die einzelnen Farbsegmente gut zur Geltung bringt. Ich bin beeindruckt und finde es wunderschön. LOVE ❤️
- die Kapuzenmütze „Gather“ von Jacqueline van Dillen aus der Noro Koma #01 Amanogawa

Und hier noch einmal eines meiner Musterknäuel in der Farbe #01 mit links dem Musterstrick und rechts bereits meinem halbfertigen Projekt.

Zum Schluss erinnern wir uns noch einmal an den „Dreh“ mit dem stilisierten Effekt (links), den die Kreisel erzeugen, vor allem die Wurfkreisel, die wie im rechten Bild mit einem Seil angetrieben werden. Dazu habe ich das Video eines japanischen Herstellers dieser Art von Kreisel, der Sasebo Koma, gefunden, in dem auch die Wurftechnik gezeigt wird …

Solltest du Fragen haben, kontaktiere mich gern … Konnte ich dir mit meiner Garnbeschreibung der Noro Koma weiterhelfen, Ideen liefern oder dir etwas Spaß bringen? Dann freue ich mich über deine Unterstützung, vielleicht für eine Tasse guten Tees? Das würde mich sehr freuen und ich sage dir schon einmal vorab „Arigato gozaimasu“ 🙂
Zu den anderen Norogarnen, mit denen du dich auch ins Koma stricken kannst …
Fotoquellen
Die Quellen der stehen direkt unter den Fotos oben. Die Fotos der Farbrapporte und Modelle aus der Noro Koma stammen von Knittingfever / Noro Magazine (Soho) / Eisaku Noro & Co. Ltd.
Restliche Fotos und Text © Katrin Walter – Noromaniac